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Abenteuer barrierefreie Web-Site
Lange hatte ich mich davor gedrückt, eine eigene Web-Site zu gestalten.
Ich zählte mich zu den Leuten, die einfach nicht ins Netz kommen
und auch nicht dazu gehören. Bis eine junge Kundin sich bei meinem
Angebot beschwerte: "Das ist zu viel Papier. Das liest doch niemand.
Was, Sie haben keine eigene Web-Site?" Sie wollte das, was ich ihr
liebevoll zusammengestellt hatte nicht lesen. Und ich begann zu begreifen,
dass man sich im Netz die Arbeiten und Referenzen viel gezielter auswählen
kann.
Eigentlich war mir alles klar. Reduziertes Design ist mein Stil. Schnörkel,
Spielereien können vorkommen, können Spaß machen. Wo sie
andere Menschen behindern, da lasse ich sie lieber weg. Das gilt für
mich beim Wohnen, fürs Leben, und ich konnte feststellen, dass es
für mich auch im Internet gilt.
In der Studie "Internet für @lle", die ich im Auftrag
der Stadt Reutlingen durchgeführt habe, fand ich viele Parallelen
zu Industrie- und Gebrauchs-Design, zu Architektur und Städteplanung.
Das galt für Menschen in allen Lebenssituationen und in jedem Alter.
Alles schien so einfach. Die Programme, die weiterhelfen überzeugend.
Sei es www.bobby.com, der damals Hürden in Sites aufzeigte oder die Seite von Aktion Mensch mit "einfach für alle",
die zeigt, wie man barrierefrei Gestalten kann. Und tatsächlich sieht
mein Internet-Auftritt jetzt fast genau so aus, wie ich ihn mir vorgestellt
hatte. Aber der Weg dorthin war steinig.
Zunächst sah ich besonders hohe Barrieren in den Köpfen der
Designer: Schnell, aufwändig zeigen, was man kann. Das passte nun
wirklich nicht zu mir. Wie sollte ich mich den jungen Dynamikern überhaupt
verständlich machen?
Was wollte ich mit meiner doch sehr klassischen Sicht der Beziehung zur
Öffentlichkeit überhaupt in diesem schnelllebigen, hektischen
Medium der Selbstdarsteller? Was wollte ich eigentlich in diesem Medium,
das von jungen, dynamischen Männern erfunden worden war?
Zuerst musste ich also die Barrieren in meinem Kopf überwinden.
Und die waren erheblich. Und daher ging ich mit wenig Dynamik an die Sache.
... also, warum lies ich nicht einfach die ganze Sache fallen? Brauchte
ich Image-Pflege in dieser Form. "Neue Kunden habe ich übers
Netz noch nie bekommen", stellte ein Kollege fest.
Der Kopf ist rund, damit man beim Denken die Richtung wechseln kann.
Beuys
Wollte ich mich schon wieder mit so einem jungen, dynamischen Berater
auseinandersetzen? Ich unterstellte aus leidvoller Erfahrung, dass ich
hier wieder so viel Übersetzungsarbeit zu leisten hätte, wie
bei meiner Präsentations-Mappe, bei Übersetzungen und bei vielen
anderen Arbeiten, bei denen ich einen Berater oder einen anderen Fachmann
hinzugezogen hatte. Es galt immer die Balance herzustellen zwischen schnellem
Marketing und genauem Hinhören, das Public Relations in meiner Arbeit
zu allererst bedeutet. Ich bin sie müde, die modernen Berater, die
ihren Kunden sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Besonders, wenn
sie mich beraten wollen.
Ja. Und dann ist es wirklich auch passiert: Wir hatten gerade unser erstes
Brain-Storming hinter uns, als wir uns mit einem Grafiker auf ein Bier
trafen: "Da brauchen Sie dann noch ein Logo, Bilder, die für
Sie sprechen und Flashs. Wir haben Ihnen schon einiges vorbereitet. Man
kann so viel machen im Netz" - "Für mich steht Barriere-Freiheit
im Vordergrund. Auch passt ein ruhiger, reduzierter Auftritt viel besser
zu mir als viel Aktion. Ich möchte zuerst von der Seite Barriere-Freiheit
an die Sache herangehen." Mit dieser Aussage hatte ich den Grafiker
endgültig vergrauelt. Der Internet-Designer erwies sich als frustrations-tolleranter.
Er wollte wirklich wissen, was barrierefreies Design bedeutet, und das
wollte ich auch.
Bei der Konkurrenzbeobachtung, beim Vergleichen mit anderen Sites war
fragte ich ihn immer wieder: "Wie gefällt dir diese Site? Ist
das machbar?" Und dadurch, dass ich von Anfang an für die sehr
reduzierte Version plädiert hatte, hatte ich auch schon im Vorfeld
schon viele Möglichkeiten ausgeschlossen, die tatsächlich auch
noch schön gewesen wären. Ich nun habe ich eine durchgängig
zugängliche Site, die
Und dann gab es den Zeitpunkt, an dem ich die Vielfalt im Netz zu schätzen
begonnen hatte. "Könnte man nicht .... ?" begannen dann
meine Fragen. Ich fand den Punkt, witzig, der über eine Seite wanderte,
den Film, der eingespielt wurde. Jetzt war ich selbst versucht, alle Spielereien,
die im Netz möglich sind, auszuprobieren.
Es gab sogar den Zeitpunkt
an dem der junge dynamische Internet-Gestalter mir erklärte: "
Das kann ich dir schon machen, aber du baust eindeutig Schwellen auf für
... " ja. Wir duzten uns inzwischen, denn nach heißen
Diskussionen hatten wir unsere Köpfe oft mit einem oder zwei Bier abkühlen
müssen.
Vollkommenheit ist erst erreicht, wenn man nichts mehr weglassen
kann. St. Exupery
Irgendwann beschloss ich erneut, jede weitere Dekoration wegzulassen,
jeden Schmuck.
Nein perfekt war die Site bei weitem nicht, als wir online gingen. Ich
wollte einfach nicht länger warten, wollte die Reaktionen bekommen... und die
Resonanz war durchweg gut.
Gregor allerdings führt Beschwerde. Der meinte beim ersten Anruf:
"Du ich sitze hier mit einem Freund, der Internetseiten gestaltet,
und wir finden deine Seite dürftig..." Gregor darf das, er ist
grade mal 25 Jahre alt. Ich sagte also geduldig meinen Spruch von der
Barrierefreiheit auf und habe seitdem nichts mehr von ihm gehört.
Damit ist wohl klar, dass mein Auftritt den Ansprüchen des wilden
IT-Jungels in keiner Weise entspricht. Meine Ziele aber sind erreicht.
Inzwischen verweise ich immer wieder auf meine Site, wenn ich nach Arbeitsbeispielen,
Vorgehensweisen gefragt werde. Das ist eine wesentliche Arbeiterleichterung.
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